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Ausstellung zum 1. Weltkrieg

Nicht zu wissen, wo der eigene Sohn begraben liegt, der in den Schlachten im 1. Weltkrieg umgekommen ist, ist für eine Mutter unerträglich. Genau das ist der Mutter von Heinrich Wiemann widerfahren, als er im Weltkrieg "fiel". Ihr Brief an ihn kam ungeöffnet zurück, weil ihr Sohn wörtlich "auf dem Felde der Ehre gefallen" war. In ihrem Brief an ihren anderen Sohn Wilhelm, der den Krieg überlebte, wird das deutlich, ebenso wie der alltägliche Wahnsinn eines Krieges: Die Familie brauchte Schmalz. Das Mangel in Kriegszeiten herrschte, war eigentlich logisch, nur diese Familie besaß eine Schlachterei. Drei dieser insgesamt mehr als 80 Briefe dieser Familie sind in unserer Ausstellung zu sehen und zu lesen. Ebenfalls einige großformatige Fotos, die Mangel an anderen Dingen ohne Worte zeigen: Obstkerne werden gesammelt, genauso wie Metall.

Beides bildet einen Aspekt von vielen unserer seit Mittwoch, 25. November 2015, laufenden Ausstellung zum Thema Goslar und der 1. Weltkrieg. Zur Eröffnung kamen Leihgeber von Ausstellungsobjekten, z.B. einem Nagelbrett oder auch von Zigarettenbilderalben, Vertreter der Stadt Goslar, der Leiter des Goslarer Stadtarchivs Herr Ulrich Albers mit Vertreterinnen des Arbeitskreises Übersetzerinnen der Vergangenheit und Frau Sauthoff vom Verein Pro Stadtarchiv, Vertretern der Elternschaft, vielen Kolleginnen und Kollegen und Schülerinnen und Schülern, die auch für den Ausschank von Getränken sorgten. Mit dabei war auch eine Schülerin der Arbeitsgruppe, die diesen "Stein quasi ins Rollen" gebracht hatte. Von der Idee bis zur Eröffnung hatte es lange gedauert, fast zwei Jahre.

Unsere Schulleiterin Frau Reichert dankte dann auch allen, die an dieser Ausstellung mitgewirkt haben, ganz herzlich und verwies auch auf die Aktualität, angesichts der jüngsten Ereignisse. Diese Ausstellung biete eben auch die Gelegenheit hier in unserer Schule für unsere Schüler in die Geschichte dieses Krieges einzutauchen, auch schon deswegen, weil der 1. Weltkrieg im Unterricht immer etwas zu kurz kommt.

Ausgangspunkt für diese Ausstellung war ein Schülerprojekt, das sich, begleitet von Frau Dr. Nowack und Herrn Horstmann, vor jetzt fast zwei Jahren mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs auseinandersetzte. Dafür wertete diese Gruppe von sieben Schülerinnen die Goslarsche Zeitung und deren Berichterstattung im Juli und August 1914 aus. Mehrfach traf sich die Gruppe im Stadtarchiv las in den mikroverfilmten Ausgaben der GZ, kopierte sich relevante Seiten und stieß bei der Lektüre auch auf Besonderes, z.B. Todesanzeigen oder auf Anzeigen von Goslarer Geschäftsleuten, die statt Brautkleider zu reinigen nun auch Kleidung in Feldgrau umfärbten u.a.m. Einige dieser Ergebnisse finden sich auf den erwähnten Kapaplatten wieder. Diese wurden dankenswerterweise vom Goslarer Museum angefertigt.

Ihre Forschungen zeigen, dass die GZ, nicht wie man vermuten konnte, in Hurra-Patriotismus für das deutsche Kaiserreich ausbrach, auch wenn sie hinter dem "Vaterland" stand. Sie versuchte dem Leser eher Zusammenhänge, politische und militärische Machtverhältnisse und Optionen, politische Entwicklungen aus ihrer Sicht zu vermitteln, z.B. im Umfeld des Attentats auf den österreichischen Thronfolger und seiner Frau in Sarajewo. Diese Ergebnisse bilden Ausgangspunkt und einen ganz wesentlichen Teil der Ausstellung, die der Besucher nachlesen und auch nachhören kann, sei es im ersten Teil der Ausstellung auf dem Flur zum Verwaltungstrakt oder aber am Ende in der Leseecke vor dem Sekretariat. MP3-Player und faksimilierte Ausgaben der GZ sind dort einzusehen und zu lesen bzw. entsprechende Kommentare zu hören.

Hier kann er auch Einblicke in eine Art Tagebuch gewinnen, wenn er die Kriegserinnerungen der Clara Haasdorf, die von Heimart Cludius oder auch die Auszüge unserer Schulchronik liest. Abschließend zeigen einige Fotos vom Friedhof an der Hildesheimer Straße auch, wie die Stadt Goslar heute den Toten des 1. und auch des 2. Weltkriegs gedenkt

Auf dem Weg dorthin kommt der Besucher an Vitrinen vorbei, in denen ebenso Postkartenalben, ein Nagelbrett oder auch die Schulchronik unseres CvD, damals noch das Lyzeum, zu sehen sind. Auf so genannte Kapaplatten aufgezogene Anzeigen der GZ , seien es Todesanzeigen oder Geschäftsanzeigen wie die eines Geschäftes, das Soldatenkleidung für Kinder anbot, "für kleine Soldaten" heißt es dort, Fotos und Repros von Feldpostkarten, eben von der oben bereits erwähnten Familie Wiemann.

Goslar wird in all seinen Lebensbereichen vom Krieg erfasst, alle Goslarer, Jung und Alt, sind betroffen. Das zeigen zu können, ist ein Verdienst aller Beteiligten. Ihnen sei hier nochmals für ihre Mühe und Geduld gedankt.

Die Ausstellung ist für alle geöffnet, an den Schultagen von 8 bis 15 Uhr und für alle Interessierte zugänglich.

Das CvD freut sich über jeden Besucher. Zu finden ist sie im Verwaltungstrakt unserer Schule. Sie dauert bis zum Schulhalbjahresende, d.h. bis zum 27. Januar 2016.

Herzlich Willkommen!

 

Die Eröffnung der Ausstellung: Unsere Besucher bei der Lektüre in den Quellen, sei es in der Leseecke oder in den Briefen.

 





Diskussionsstoff - beim Betrachten von Exponaten und Bildern.

 

Für das leibliche Wohl sorgten unsere Schüler.