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Das Große Ensemble: "Krippenspiel sieht anders aus!"

 

Rund zwanzig Personen sind meistens beteiligt an unseren Produktionen (unter der Leitung von Axel Dücker und Tanja Woitinas bislang "lumpazi goes girl"„Der Talisman“ , "Gesindel" und "ghetto" , "Dogville", "Gier" ,"Brecht! Die Heilige Johanna der Schlachthöfe", "Zahltag" und "Haltestelle Sehnsucht"), manchmal auch noch mehr, wenn Statisten dazukommen oder wir mit dem Fachbereich Musik kooperieren. So viele Menschen (und dann auch noch Künstler!) unter einen Hut zu bringen, das ist phasenweise alles andere als einfach, aber vielleicht gerade deswegen können sich die meisten ganz bald ein Leben ohne Theater (und manchmal auch ohne einander) kaum noch vorstellen. Es ist schon sehr persönlich, das Theaterspielen, und wie kaum etwas Anderes eine rasante Beschleunigung der Persönlichkeitsentwicklung. Und wie sonst vielleicht höchstens noch im Fußball (nach allem, was man so hört...) ist ganz schnell klar, dass die Qualität des Spiels und also auch sein Erfolg vor allen Dingen eine Ensembleleistung ist, auch wenn es für das Publikum ein einzelnes besonderes schauspielerisches Talent sein mag, das in Erinnerung bleibt. Kein noch so talentierter Hauptdarsteller schafft es, Angst und Schrecken zu verbreiten, wenn seine Mitspieler nicht glaubhaft in Angst und Schrecken erstarren... Zu wissen und zu spüren, dass es nur gemeinsam funktioniert, und zu erleben, dass es (wieder) funktioniert, das ist etwas Großes und Erhebendes!

Etwa ein Jahr dauert die Produktion eines abendfüllenden Programms. Nach einigen Wochen theaterpädagogischer Übungen, während derer sich Ideen für das Thema und den Charakter eines neuen Stückes entwickeln und konkretisieren können, fallen schließlich die großen Entscheidungen: für ein Stück, das uns interessiert und herausfordert und das für uns spielbar sein muss, und natürlich auch für die Besetzung, was weniger problematisch ist als sich manche vielleicht vorstellen, geht doch der Glanz der großen Rollen untrennbar einher mit den Mühen der Bewältigung ebenso großer Textmengen. Tja, und dass Text gelernt werden muss, damit aus ein paar auf der Bühne herumstehenden Leuten eine faszinierende Geschichte werden kann, das macht die nächste lange Phase zu einer harten Belastungsprobe für die Einzelnen, die Gruppe und – nicht zuletzt – das Leitungsteam, das sich – halb Engelschor, halb des Teufels General – langsam, aber sicher dem Nervenzusammenbruch entgegenflötet und entgegenschimpft.

Aber dann irgendwann... und mit einem Mal... ist er plötzlich da, der Zauber: Dann beginnen die Figuren auf einmal zu leben, und plötzlich versteht man, was man da die ganze Zeit abgelesen und aufgesagt hat und kann es auf einmal wirklich meinen und empfinden. Und wenn dann die Hauptprobenphase beginnt und wir uns ein Wochenende nach dem anderen in der Schule um die Ohren schlagen, wenn das Forum ganz uns gehört und wir mehr oder weniger dort einziehen, wenn das Bühnenbild entsteht und täglich mehr zusätzliche Scheinwerfer hängen und überhaupt alles einen irre professionellen Eindruck zu machen beginnt (vgl. den entsprechenden Kommentar von Moritz, der unser aller Empfinden so treffend wiedergibt, dass er es in die Überschrift dieses Beitrags geschafft hat), wenn alle nur noch in Zitaten reden, die Plakate gedruckt sind und der Vorverkauf begonnen hat, dann geraten wir in einen Rausch, der uns für alle Anstrengung entschädigt, die wir monatelang vorher auf uns genommen haben. Und wenn dann zu guter Letzt auch noch die Aufführungen zu unserer Zufriedenheit gelingen und das Publikum uns gewogen ist, dann, na dann wissen wir jedenfalls ganz genau, warum den Brettern unter unseren Füßen nachgesagt wird, dass sie die Welt bedeuten.

 

Tanja Woitinas